Wenn Erwartungen zerbrechen – wie Schreiben bei Enttäuschungen heilen kann
- Monika Hofmann
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. März
„Ich hatte so gehofft…“ – hast du diesen Satz auch schon einmal gedacht oder vielleicht sogar in dein Tagebuch geschrieben?
Enttäuschungen gehören zu unserem Leben. Sie sind wie kleine Risse im Herzen, die uns zeigen: Da war etwas, das wir uns anders gewünscht hätten. Ein Traum, der geplatzt ist. Ein Gebet, das scheinbar unbeantwortet blieb. Ein Mensch, der uns verletzt hat. Oder ein Weg, der nicht so verlief, wie wir ihn erhofft hatten. Und mittendrin stehen wir – fragend, verletzt, enttäuscht.

„Warum, Herr?"
Vielleicht hattest du Hoffnung auf Heilung, auf eine Versöhnung, auf eine neue Chance. Vielleicht hast du dich voll investiert, gebetet, geglaubt, gehofft – und bist dann doch mit leeren Händen dagestanden. Und genau da beginnt etwas Neues. Nicht sichtbar für das Auge, aber spürbar für das Herz, das sich Jesus zuwendet.
Gerade in solchen Momenten greife ich zum Stift. Nicht, um zu fliehen, sondern um mich Gott zuzuwenden. Schreiben hilft mir, Gedanken zu sortieren, Gefühle zuzulassen und Gottes Stimme wieder zu hören. Es bringt Licht ins Dunkel – und manchmal auch Trost ins Herz. Worte werden zu einem Ort, an dem ich mich selbst finde. Und manchmal entdecke ich: Gott war die ganze Zeit da.
Enttäuschung – eine Möglichkeit tiefer zu sehen
Das Wort „Ent-täuschung“ zeigt schon: Eine Täuschung fällt weg. So schmerzhaft das ist, es kann auch der Beginn von etwas Echtem sein. Vielleicht wollte Gott mir die Augen öffnen. Vielleicht möchte er mich in eine tiefere Wahrheit führen. Vielleicht ist diese Enttäuschung nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang.
Gott ent-täuscht nicht, um uns zu verletzen, sondern um uns zur Wahrheit zu führen. Zurück zu IHM. Weg von falschen Sicherheiten, hin zu seiner Treue. Manchmal wird gerade im Bruch sichtbar, was nicht echt war – und wo echte Hoffnung beginnt.
In der Bibel gibt es viele Menschen, die enttäuscht waren. Elia, der am Ende seiner Kraft war und Gott bat, ihn sterben zu lassen. Petrus, der in seiner größten Schwäche Jesus verleugnete. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus, enttäuscht von der Hoffnung, die scheinbar verloren ging:
„Wir haben gehofft…“ Lukas 24:21.
Doch genau dort, mitten in ihrer Enttäuschung, kam Jesus zu ihnen. Er hörte zu. Er erklärte ihnen die Schrift. Und dann – am Tisch, im Brotbrechen – erkannten sie ihn. Der Auferstandene war da.
Und so begegnet Jesus auch dir. Nicht immer, wie wir es erwarten. Aber immer, wenn wir ihm unser Herz öffnen.
Heilsames Schreiben – Raum für deine Gefühle
Beim Schreiben darf alles raus: Tränen, Fragen, Zweifel, Wut, Hoffnung. Ich muss nichts verstecken. Ich darf ehrlich sein. Und oft spüre ich beim Schreiben: Jesus ist schon da. Er versteht mich. Er hört zu.
Manchmal schreibe ich ganz roh, ohne Punkt und Komma. Manchmal formuliere ich Gebete oder Briefe an Jesus. Immer wieder staune ich, wie viel heilende Kraft im einfachen Schreiben liegt. Es ist, als würde ich beim Schreiben meinem Herzen erlauben, zu sprechen – und Gott erlaubt, zu antworten.
Hier ein paar Fragen, die dir helfen können, deine Enttäuschung in Worte zu fassen:
Was hatte ich mir erhofft – und was ist wirklich passiert?
Was hat die Enttäuschung in mir ausgelöst?
Was könnte Gott mir durch diese Erfahrung zeigen?
Was trägt mich trotzdem?
Schreib ein Gebet: „Herr, ich bin enttäuscht, weil…“
Erlaube dir, nichts zu beschönigen. Denn Gott liebt dein echtes Herz. Du darfst weinen, klagen, hinterfragen. Und dann wieder aufstehen – mit einem neuen Wort im Herzen.
Zerbrochen – und doch voller Hoffnung
Kennst du Kintsugi? Diese alte japanische Kunst, zerbrochene Gefäße mit Gold zu reparieren? Die Bruchstellen werden nicht versteckt, sondern mit Gold hervorgehoben. Genau so wirkt Gott: Aus deinem Zerbruch kann etwas Kostbares entstehen. Er macht deine Wunden nicht ungeschehen – aber er macht sie schön.
Ich glaube fest: Gott wirft nicht weg, was zerbrochen ist. Er sammelt die Scherben deines Lebens, deiner Enttäuschung, deiner Hoffnungslosigkeit – und setzt sie neu zusammen. Und seine Gnade ist das Gold, das alles zusammenhält.
Zum Schluss:
Jesus bleibt. Auch wenn andere gehen. Er geht mit dir durch die Täuschung hindurch – und führt dich zur Wahrheit. Seine Wahrheit befreit. Und vielleicht fängt alles damit an, dass du heute ein paar ehrliche Zeilen schreibst.
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